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Beziehungsangst – Angst vor einer Beziehung – Eine moderne Volkskrankheit

Die Angst vor der festen Bindung ist mittlerweile schon fast zur Volkskrankheit geworden. Viele verbinden eine Beziehung vordergründig damit, seine eigenen Lebensziele zugunsten einer anderen Person aufgeben oder abändern zu müssen. Dies ist eine unmittelbare Ursache des modernen Zeitgeistes, da sowohl Männer als auch Frauen in der Regel eine feste Vorstellung von ihrer beruflichen Laufbahn und auch gewisse Karrierewünsche hegen. Neben den überwiegend positiven Effekten dieser Entwicklung, bringt das natürlich auch Schwierigkeiten mit sich. Die Lebensplanung zu zweit ist komplizierter geworden und das lässt einige unter uns vor einer festen Beziehung zurückschrecken. Die gute Nachricht ist, dass solche Beziehungsängste und Sorgen in der Regel mit dem richtigen Partner an der Seite überwunden werden können. Ist die Beziehungsangst jedoch krankhaft, so kann diese meist nur mit psychologischer Hilfe besiegt werden.

Die Beziehungsangst erkennen / Angst vor einer Beziehung erkennen

Ein erster wichtiger Schritt, um die eigene Angst vor Beziehungen in den Griff zu bekommen ist es, diese als solche zu erkennen. Das kann mitunter eine große Hürde darstellen, da der Mensch dazu neigt, sich hinter Ausreden zu verstecken. Ein typisches Anzeichen für Beziehungsangst ist es beispielsweise, bei der Partnersuche zu wählerlisch zu sein. Man sucht geradezu nach Fehlern im Gegenüber, damit man vor sich selbst rechtfertigen kann, warum man mit dieser Person keine Beziehung eingehen will. Befindet man sich bereits in einer Partnerschaft ist es äußerst häufig, dass der unter Bindungsangst leidende Partner sehr plötzlich und wie aus dem Nichts die Beziehung beendet. Dies passiert meist dann, wenn die Partnerschaft selbst eigentlich gerade sehr gut läuft und nächste Schritte wie Verlobung oder Kinderplanung ins Haus stehen. Die sogenannte „Torschusspanik“ ist ein klarer Fall von Beziehungsangst.

Ebenfalls ein Symptom für die Angst vor der Beziehung ist es, den Partner sprichwörtlich zu vertreiben. Hier wird also nicht selbst Schluss gemacht, sondern man verhält sich in der Beziehung so daneben, dass dies schließlich den anderen dazu bewegt, einen Schlussstrich zu ziehen. Der wahre Grund dafür ist meist, dass einem die Verantwortung für den anderen Menschen über den Kopf wächst und man sich dieser nicht mehr gewachsen fühlt. Häufig ist man mit der Situation, dass man den Partner liebt und mit diesem immer inniger zusammenwächst, schlichtweg überfordert, weswegen die Flucht aus diesem unbekannten Gefühlschaos angetreten wird.

Wer eine Beziehung aufgrund der Angst vor einer festen Beziehung beendet oder den Partner aus diesem Grund zur Trennung bewegt, obwohl die Gefühle füreinander noch aufrecht und mitunter sehr stark sind, der wird diesen Schritt in der Regel zutiefst bereuen. Nicht zuletzt deswegen ist es also wichtig, die Beziehungsangst als solche zu erkennen und an ihr zu arbeiten.

Ursachen für die Beziehungsangst

Um die Angst vor der Bindung an den Partner bewältigen zu können, muss zuallererst die Ursache für dieselbe erkannt werden. Wie bei den meisten Ängsten und Neurosen sind die Gründe für die Beziehungsangst in der Regel in der Kindheit zu finden. Ist man überbehütet aufgewachsen, kann gleichermaßen ursächlich sein, wie wenn man gar keine elterliche Liebe erfahren hat.

Wer in der Kindheit von den Eltern in extremer Form mit Liebe überschüttet wurde, der wird Bindungen zu anderen Menschen schnell als einengend erfahren. Dies passiert dann, wenn die Eltern ihr Kind, meist ein Einzelkind, von anderen Menschen zu sehr isolieren und ausschließlich an sich selbst binden wollen. Dem Kind ist es außerdem nicht erlaubt eine Privatsphäre zu haben und Geheimnisse voreinander werden ausschließlich als negativ abgetan. So hat man schon früh den falschen Eindruck, dass man sich selbst aufgeben muss, um zwischenmenschliche Beziehungen zu ermöglichen. Dieses Gefühl des eingeengt Werdens kommt auch in der Partnerschaft immer wieder zum Vorschein.

Derselbe Effekt kann jedoch auch beim ungeliebten Kind auftreten. Wer von den Eltern keinerlei Liebe und Nähe erfahren hat, der glaubt in der Regel auch nicht, dass er liebenswert oder achtenswert ist. Das Gefühl, jemanden bedingungslos zu lieben, dies jedoch im Gegenzug selbst nicht zu erfahren, will in der Regel um jeden Preis vermieden werden. Aus diesem Grund tendiert man dazu, Gefühle für einen potentiellen Partner zu unterdrücken, um selbst nicht verletzt zu werden.

Wie besiege ich die Beziehungsangst?

Grundsätzlich gilt es, in einem ersten Schritt die Angst als solche zu erkennen. Diese Selbsterkenntnis führt dann dazu, dass man an sich selbst und der eigenen Einstellung arbeiten kann. Man sollte sich ins Gedächtnis rufen, dass man den Partner liebt und dass dieser einem auch gut tut. Außerdem ist es richtig, sich mit dem Gedanken verletzt zu werden auseinanderzusetzen und diesen als realistisches Szenario zu akzeptieren. Schlussendlich sollte man dann zu dem Punkt kommen, dass der andere es wert ist, dieses Risiko einzugehen.

Wer hingegen das Gefühl hat, das eigene Leben aufgeben zu müssen, um eine Partnerschaft eingehen zu können, der sollte dies mit dem potentiellen Partner besprechen. Auch hier wird man schnell zum Ergebnis kommen, dass dies nicht der Fall ist, da der anderes sich ja ein Gegenüber mit Charakter und eigenen, individuellen Vorstellungen wünscht.

Lassen sich die Beziehungsängste auf schwerwiegende Probleme in der Kindheit zurückführen, sind diese meist nicht ohne fremde Hilfe überwindbar. Der Gang zum Psychologen ist hierbei in jedem Fall empfehlenswert, da der Betroffene selbst meist keinen Ausweg aus dieser Angst finden kann.

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