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Beziehungspause – Freund oder Feind?

Die Meinungen zu Beziehungspausen sind mitunter sehr geteilt. Befürworter betonen vor allem, dass eine solche eine unmittelbar zu scheitern drohende Beziehung durch eine Trennung auf Zeit und das dadurch geförderte Wiederaufleben der Gefühle zueinander retten kann. Kritische Stimmen behaupten hingegen, dass eine Beziehungspause lediglich den Feigen unter uns das Beenden einer Beziehung erleichtern soll, da das „Schlussmachen“  so in kleineren Schritten vorgenommen werden kann.

SinnhaftBeziehungspauseigkeit einer Beziehungspause

Grundsätzlich kann auf die Frage, ob eine Trennung auf Zeit förderlich für die Beziehung ist, keine pauschale Antwort gegeben werden. Tatsache ist, dass es ganz auf die wahre Intention der individuellen Paare und deren jeweilige Situation ankommt. Wollen beide an den aufgetretenen Problemen arbeiten, um sie zu bewältigen und dadurch die Partnerschaft zu retten, so kann eine Beziehungspause durchaus förderlich sein. Wichtig ist also das Motiv an der Partnerschaft festhalten zu wollen, was natürlich das noch Vorhandensein von Liebe zueinander voraussetzt.

Ist es andererseits jedoch der Fall, dass ein Partner oder gar beide mit der Beziehung innerlich schon abgeschlossen haben, den anderen nicht mehr lieben und die Beziehungspause vielleicht lediglich als Vorwand dienen soll, um sich den schwierigen Schritt des Schlussmachens zu ersparen, so muss nicht eigens erwähnt werden, dass eine Trennung auf Zeit wenig sinnvoll erscheint. Hierbei wäre ein klarer Schlussstrich, der zu Beginn vielleicht hart und schmerzvoll erscheint, auf lange Sicht die bessere Wahl. Dies erspart beiden ein andauerndes Gefühlschaos und Unsicherheit.

Ebenfalls nicht das richtige Motiv für eine Trennung auf Zeit wäre außerdem das Bedürfnis einer Person, sich anderweitig auszuleben und sich die Option wieder zum Partner zurückzukehren offen zu halten. Leider ist es nicht selten der Fall, dass genau aus diesem Grund dem anderen eine Beziehungspause vorgeschlagen wird. Wer längerfristig in einer Partnerschaft ist, der bekommt vielleicht nach einer Zeit das Gefühl, dass das Gras auf der anderen Seite grüner sei. Ist dies der Fall, wäre es jedoch der falsche Ansatz, dieses besagte Gras der anderen Seite zu testen. Vielmehr sollte der Grund für die Sehnsucht nach dritten Personen herausgefunden werden, um daran zu arbeiten. Wird eine Beziehungspause zum Fremdgehen genutzt, so resultiert das in der Regel darin, dass man nach der Unterbrechung durch die verletzten Gefühle und die unterschwellige Wut des Partners noch mehr Probleme hat als zuvor, woraufhin die Beziehung erst recht zum Scheitern verurteilt ist.

Grundsätzlich kann also festgehalten werden, dass eine Beziehungspause mit dem richtigen Motiv, nämlich jenem, an der Partnerschaft zu arbeiten, um diese zu retten, durchaus gut sein kann. Wer hingegen insgeheim schon mit der Beziehung abgeschlossen hat, sich vielleicht anderweitig verliebt oder eventuell das Bedürfnis hat, sich ausleben zu wollen, sollte einen klaren Schlussstrich der Beziehungspause vorziehen.

Wer sich schließlich aus gutem Grund für eine Trennung auf Zeit entscheidet, der hat im Folgenden jene Frage zu bedenken:

Wie soll die Beziehungspause genau aussehen?

Diese Frage ist deshalBeziehungspause-1b legitim, da Beziehungspausen mitunter sehr individuell gestaltet werden können. Dies hängt ganz von den Vorstellungen und Wünschen der Partner ab. Sobald man sich für eine Trennung auf Zeit entscheidet, sollten gewisse Grundregeln festgelegt werden, um späteren Missverständnissen vorbeugen zu können. So ist es beispielsweise ratsam auszusprechen, dass auch in einer Beziehungspause Fremdgehen ein Tabu darstellt. Wie zuvor erklärt, würde das nur noch mehr Konfliktpotential in eine ohnehin angeschlagene Beziehung bringen. Was ebenfalls definiert werden muss ist, wie lange die Beziehungspause andauern soll. Der Zeitraum muss lange genug sein, um vorgefallene Konflikte aufzuarbeiten und sich darüber klar zu werden, was man selbst von der Beziehung erwartet. Wie lange man dafür braucht, ist wohl von Partnerschaft zu Partnerschaft unterschiedlich. Grundsätzlich sollte jedoch der Zeitraum von 2-3 Wochen nicht überschritten werden, da der Sinn und Zweck dieser Trennung auf Zeit ja nicht jener ist den anderen zu vergessen, sondern sich nach Möglichkeit so schnell wieder aneinander anzunähern.

Was außerdem definiert werden muss ist, inwieweit Kontakt zwischen den Partner während der Pause erlaubt ist. Wer einen gemeinsamen Haushalt teilt, muss diesen natürlich vorübergehend aufgeben, um dem Zweck der Unterbrechung gerecht zu werden. Auch wenn dies gerade am Anfang schwer ist, sind Treffen während der Beziehungspause keine gute Idee, da diese ja genutzt werden muss, um sich vom Partner unbeeinflusst Klarheit über den Stand der Beziehung zu verschaffen. Ob Telefonate oder SMS erlaubt sind oder nicht, soll jedes Paar für sich selbst entscheiden. Gerade wenn Kinder mit im Spiel sind, ist eine komplette Funkstille meist nicht möglich. Hierbei sollte allerdings trotzdem darauf geachtet werden, dass sich die Gespräche nicht um den Stand der Partnerschaft oder dergleichen drehen dürfen, da dies ja nach der Pause im Gespräch aufgearbeitet werden soll.

Tipps zu Gedanken während der Beziehungspause

Die Beziehungspause sollte von beiden Seiten dafür genutzt werden, sich über essenzielle Fragen Klarheit zu verschaffen. Dies soll unbeeinflusst vom Partner und von alltäglichen Konfliktsituationen passieren. Wird viel gestritten, muss man sich beispielsweise die Frage stellen, woran dies liegen könnte. Handelt es sich in der Regel um Nichtigkeiten, die einen riesen Streit auslösen, so hat man die tieferliegende Ursache für die Gereiztheit zu finden. Fühlt man sich beispielsweise vom Partner im Stich gelassen, unbeachtet oder nicht mehr geliebt? Liebt man den anderen noch? Verbringt man zu wenig Zeit zu zweit? Zudem sollte man sich darüber klar werden, wie viel einem der andere und das Funktionieren der Partnerschaft noch bedeutet. Kann man sich ein Leben ohne den Partner überhaupt vorstellen? Vor allem das sollte bei der Aussprache nach der Beziehungspause formuliert werden können.  Die Zeit sollte außerdem genutzt werden, um das eigene Verhalten in der Beziehung zu reflektieren und sich eventuell gemachte Fehler einzugestehen. Man muss also vordergründig auch an sich selbst arbeiten.

All diese Gedanken und deren Ergebnisse gilt es nach Ende der Pause mit dem Partner in einem langen Gespräch zu erörtern. Im Zuge dessen kann dann festgestellt werden, wie die Beziehung in Zukunft verbessert werden kann und welche Änderungen vorgenommen werden müssen. Wird die Beziehungspause und die darauf folgende Aussprache von beiden Partnern konstruktiv genutzt und ist zudem noch genügend Liebe zueinander vorhanden, so bietet der Abstand auf Zeit durchaus eine reale Chance, um die Beziehung zu retten.

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